Ätherisches Rosmarinöl

Rosmarinöl in Naturheilkunde und Aromatherapie 

Ätherisches Rosmarinöl

Ätherisches Rosmarinöl wird in Aromatherapie und Naturheilkunde vielseitig genutzt. Alles über Eigenschaften, Anwendungsgebiete, Wirkungen und Nebenwirkungen.

Rosmarinöl – ein Öl mit Tradition

Schon früh in der Menschheitsgeschichte wurden aromatische Heilpflanzen mithilfe von Destillation weiterverarbeitet. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus berichtet der griechische Geschichtsschreiber Herodot von der Durchführung einer Wasserdampfdestillation zur Herstellung ätherischer Öle. Wann genau speziell Rosmarinöl zuerst verwendet wurde, lässt sich schwer nachvollziehen, doch hat die Rosmarinpflanze als Heil- und Schutzpflanze eine lange Tradition.

Der Legende nach wuchs der erste Rosmarinbusch auf dem Grab der Tochter des persischen Königs Orchamos. Orchamos war so erzürnt über die Affäre seiner Tochter mit Sonnengott Helios, dass er sie zur Strafe lebendig begraben ließ. Hier deutet sich bereits die frühe Symbolik des Rosmarins in Bezug auf Liebe bzw. Sexualität, Tod und Geburt an.  So wurde Rosmarin bei vielen rituellen Handlungen eingesetzt und darüber hinaus schon im antiken Griechenland zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit benutzt. Spätestens seit dem Mittelalter wird Rosmarin auch in unseren Gefilden zur Linderung unterschiedlichster Beschwerden wie Verdauungsstörungen und Problemen mit Herz und Kreislauf gebraucht und aus der modernen Naturheilkunde und Aromatherapie ist das ätherische Rosmarinöl kaum mehr wegzudenken. Und einige alte Traditionen sind inzwischen durch Studien in ihrer Sinnhaftigkeit belegt.

Steckbrief Rosmarinus officinalis

Das Haut und Haar und Herz-Kreislauf Öl

Top 50 der ätherischen Öle

Lateinischer Name: Rosmarinus officinalis

Pflanzenfamilie: Lamiaceae oder Labiatae – Lippenblütler

Haupt-Wirkung und Anwendung:

Je nach Herkunftsort und Chemotyp fallen Wirkung und Anwendung unterschiedlich aus. Die Hauptwirkungsfelder sind bei

spanischem Rosmarinöl (ct. Borneon):

*** Muskulatur und Sehnen, Wirbel und Gelenke, Niedriger Blutdruck, ausbleibende Menstruation, Stärkung der Immunabwehr 

nordafrikanischem Rosmarinöl (ct. Cineol):

*** Haare und Kopfhaut, Konzentration und Gedächtnis, Durchblutungsstörungen,

französischem Rosmarinöl (ct. Verbenon):

*** Leberschwäche, Galleninsuffizienz, Leber- und Gallenblasenentzündung. Migränekopfschmerz

Haupt-Nebenwirkung: ätherisches Rosmarinöl sollte aufgrund seiner anregenden Wirkung nicht bei Bluthochdruck eingesetzt werden. Ätherisches Rosmarinöl kann die Haut reizen.

Duft: frisch, eukalyptusartig, intensiv krautig mit kampfriger Note

Kaufen Tipp: Grundsätzlich sollte man beim Kauf ätherischer Öle darauf achten, ein 100% naturreines und auf Rückstände geprüftes Produkt zu erstehen. Beim Rosmarinöl im besonderen sollte man sich vor dem Kauf über die Beschaffenheit und Wirkung der drei Hauptchemotypen des Rosmarin informieren.

Ausführliche Informationen zu Ätherischen Ölen und Aromatherapie im Allgemeinen finden sich auch auf der Seite aetherischesoel.org.

Eigenschaften des ätherischen Rosmarinöls

Ätherisches Rosmarinöl zeichnet sich neben seiner gesundheitsfördernden Wirkung durch eine typische Eigenschaften aus, die wiederum abhängig von Herkunftsort und Chemotyp unterschiedlich ausfallen können. Allgemein lässt sich der Geruch des Rosmarinöls jedoch als feurig, aromatisch, belebend, krautig, kampferartig kühl, klar, frisch und aktiv beschreiben. Rosmarin ct. cineol hat einen scharfen, aufsteigenden Geruch. Rosmarin ct. borneon riecht besonders kampfrig, erfrischend und medizinisch und Rosmarin ct. verbenon hat eine spezielle blumig-zarte Note.

Alle Rosmarin-Chemotypen sind leicht beweglich, klar und farblos bis blass gelb.

Rosmarin ist eine Pflanze, die ein subjektives Wärmegefühl erzeugt. Das macht Rosmarinöl für Massageöle und zur Stärkung und Belebung des gesamten Organismus beliebt.

Trotz seines intensiven Dufts harmoniert Rosmarinöl mit sehr vielen anderen ätherischen Ölen sehr gut. Hierzu gehören Minze, Bergamotte, Basilikum, Zirbelkiefer, Wacholder, Zedernholz, Cistrose, Citronella, Grapefruit, Kamille (blau), Kiefernadel, Lavendel, Mandarine, Pfefferminz, Thymian (rot), Petitgrain,  Zedernholz und Zimt.

Der Brennpunkt von ätherischem Rosmarinöl liegt bei 54⁰C.

Das HMPC (Herbal Medicinal Product Commitee)hat Rosmarinblätter und Rosmarinöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel nach § 39a des Arzneimittelgesetzes eingestuft.

Rosmarinöl bei physischen und psychischen Beschwerden

In Anwendung und Wirkung ist ätherisches Rosmarinöl sehr vielseitig. Seine einzigartigen Wirkmechanismen verdankt es dem Zusammenspiel seiner wertvollen Inhaltsstoffe. Ob als Massageöl oder Badezusatz, in der Duftlampe oder bei der Inhalation – in Naturheilkunde und Aromatherapie wird ätherisches Rosmarinöl beispielsweise bei physischen Beschwerden zur Anregung und Stimulation bei Herz- Kreislaufproblemen, Durchblutungsstörungen, zur Entgiftung von Leber und Galle, bei Erkältungskrankheiten, Muskelverspannungen und –verkürzungen oder -schmerzen, bei Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, fettiger Haut, Schuppen, Cellulitis, zum Abnehmen und auch bei psychischen Problemen wie nervöser Müdigkeit, nervöser Depression oder Stress eingesetzt. Wer das Rosmarinöl effektiv einsetzten möchte sollte sich zuvor über die einzelnen Anwendungsgebiete, die für das jeweilige Problem bestmögliche Anwendungsart und über den passenden Chemotyp für das jeweilige Anwendungsgebiet genau informieren. Anwendungsrezepte und genaue Informationen zur Wirkung der einzelnen Chemotypen des Rosmarins haben wir in den Artikeln Rosmarin Anwendung und Rosmarin Wirkung zusammengestellt.

Nebenwirkungen

In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Säuglingen und Kleinkindern sollte grundsätzlich auf die Verwendung von ätherischem Rosmarinöl verzichtet werden. Ansonsten hat Rosmarinöl in der richtigen Dosierung keine bekannten Nebenwirkungen.

Doch ist Rosmarin ein ätherisches Öl, bei dem man nicht oft genug betonen kann, wie wichtig eine korrekte Dosierung bei der Anwendung ist. Bei falscher Anwendung kann Rosmarinöl zu unerwünschten Umkehreffekten führen.

Welche Risiken und Gegenanzeigen es im Detail zu beachten gilt, ist unter Nebenwirkungen zu lesen.

Tipps zum Kauf von Rosmarinöl

Vor dem Kauf von Rosmarinöl sollte man sich unbedingt klar darüber sein, welcher der Chemotypen der richtige für die gewünschte Anwendung ist oder sich gleich eine kleine Auswahl mit verschiedenen Rosmarinölen für die Hausapotheke zusammenstellen. Auf diese Weise ist immer das richtige Öl für die unterschiedlichen Anwendungsgebiete des Rosmarins passend zur Hand. Außerdem sollte man auf wichtige Qualitätsfaktoren wie Schadstoffprüfungen, Herstellungsart und für das Öl verwendete Pflanzenteile achten, um einen wirklich guten gesundheitlichen Effekt zu erzielen. Die einzelnen Qualitätskriterien sind im Artikel Ätherisches Rosmarinöl kaufen aufgelistet und detailliert beschrieben.

Inhaltsstoffe

Die wichtigsten bekannten Inhaltsstoffe des Rosmarinöls sind in folgender Tabelle im Überblick aufgeführt.

Inhaltsstoff

Gehalt in % des ätherischen Rosmarinöls

Oxide

10 – 15 % ( v.a. 1.8-Cineol)

Monoterpene

45 – 54 % (v.a. Pinene und Camphen)

Monoterpenole

5 – 10 % (v.a. Borneol)

Sesquiterpene

Bis 1 %

Monoterpenketone

10 – 18 % (v.a. Verbenon und Borneon (Campher))

Ester

10 – 13 % (v.a. Bornylacetat)

Die vielseitige Wirkung des Rosmarins ist auf die besondere Kombination und den genauen Gehalt der Inhaltsstoffe zurückzuführen. Rosmarin bildet abhängig vom Standort drei Chemotypen aus. Die Inhaltsstoffe variieren je nach Herkunftsort und Chemotyp sehr stark. Eine genaue Auflistung der Inhaltsstoffe der einzelnen Chemotypen findet sich unter Inhaltsstoffe.

Anbau und Herstellung von Rosmarinöl

Der für die Herstellung von ätherischem Öl verwendete Rosmarin wird für gewöhnlich nicht angebaut, da es sehr große Wildbestände des Krauts gibt. Rosmarin wächst in einem 50 km-Gürtel rund um das Mittelmeer. Vor allem in Frankreich sind die Wildbestände sehr groß.

Wasserdampfdestillation

Wasserdampfdestillation

Für 1 kg einer ätherischen Essenz guter Qualität werden etwa 80 kg frisches Kraut benötigt. Geerntet werden die in Blüte stehenden Zweigspitzen. Das ätherische Öl wird per Wasserdampfdestillation gewonnen. Bei spanischen Ölen werden häufig auch die Zweige des Rosmarinstrauchs mit destilliert. Zur Herstellung von qualitativ hochwertigen Ölen werden die geernteten Pflanzenteile direkt vor Ort destilliert, um lange Transportwege und damit einhergehenden Qualitätsverlust zu vermeiden. Hochwertigen Ölen werden beim Destillationsprozess zudem keine Zusätze oder Verdünnungsstoffe zugeführt.

Aufbewahrung und Lagerung

Ätherisches Rosmarinöl sollte in dunklen Glasfläschchen luftdicht verschlossen geliefert und gelagert werden. Am besten ist Violettglas zur Aufbewahrung geeignet, da es durch seinen hohen Lichtschutz die längste Haltbarkeit garantiert. Das Öl sollte an einem kühlen und dunklen Ort außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Nach Ablauf des Verfallsdatums ist von einer weiteren Verwendung abzusehen.

Alternative Anwendungsformen zu ätherischem Rosmarinöl

Ätherisches Rosmarinöl kann inhaliert werden, in der Duftlampe, als Badezusatz oder Massageöl angewendet werden. Absehen sollte man allerdings von der inneren Anwendung durch Trinken des Öls, selbst wenn es sich um geringe Mengen handelt. Wer Rosmarinöl dennoch innerlich anwenden möchte, sollte dies in Absprache mit Arzt oder Heilpraktiker tun oder auf sanftere Alternativen zurückgreifen. Das Rosmarinöl gibt es schließlich nicht nur in Form von ätherischem Öl, sondern auch als Kräuteröl, das gerne regelmäßig innerlich zum Einsatz kommen kann. Für ein gesundheitsförderndes Rosmarinküchenöl werden möglichst frische Rosmarinzweige in ein qualitativ hochwertiges Trägeröl eingelegt. Das Trägeröl nimmt die wertvollen fettlöslichen Inhaltsstoffe und das köstliche Aroma des Rosmarin auf. Zum Kochen, Verfeinern und Würzen verwendet kommen so unserer Gesundheit die Wirkstoffe des Rosmarins zugute. Weitere sanfte Alternativen zum ätherischen Rosmarinöl sind Rosmarintee und Rosmaringewürz. In dieser Form ist die Anwendung von Rosmarin auch und besonders über einen längeren Zeitraum und zur Vorbeugung empfehlenswert.

Quellen:

Sämtliche nachfolgend aufgeführten Bücher zur Aromatherapie sind in unserer redaktionellen Literatur-Empfehlung aufgeführt und können dort direkt über Amazon gekauft werden.

Kraus, Michael: Ätherische Öle – Für Körper, Geist und Seele. Von Angelika bis Zypresse. Verlag Simon & Wahl.

Samel, Gerti: Die heilende Energie der ätherischen Öle. Südwest Verlag.

Steflitsch, Wolz, Buchbauer (Hrsg.): Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis. Stadelmann Verlag.

Wabner, Dietrich; Beier, Christiane (Hrsg.): Aromatherapie – Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis. Elsever.

Werner, Monika; Braunschweig, Ruth von: Praxis Aromatherapie. Grundlagen – Steckbriefe – Indikationen. 3., unveränderte Auflage. Haug.

Zimmermann, Eliane: Aromatherapie. Die Heilkraft ätherischer Pflanzenöle. Irisiana.




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